Marianne Siegrist - Berufs- und Laufbahnberatung

AKTUELLES

Das Bildungssystem in der Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte.

Rund 69 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz hat eine Berufslehre abgeschlossen. Das heisst, sie haben sich während zwei bis vier Jahren in einem Beruf qualifiziert und am Ende der Ausbildung ihre berufspraktischen sowie die berufstheoretischen Kenntnisse unter Beweis gestellt.

Die berufliche Grundbildung ist in der Schweiz nach dem dualen System organisiert. Die praktische Ausbildung findet in einem autorisierten Lehrbetrieb, die theoretische während 1-1.5 Tagen pro Woche in der Berufsfachschule statt. Es wird zwischen zwei Stufen von beruflicher Grundbildung unterschieden: Einerseits die 3- oder 4jährigen Grundbildungen, die mit einem eidg. Fähigkeitszeugnis EFZ abschliessen und andrerseits den 2jährigen Attestlehren EBA, die mit einem eidg. Berufsattest abschliessen. In einzelnen Berufen gibt es auch vollschulische Ausbildungen, beispielsweise Handelsmittelschulen oder Informatikmittelschulen.

18 Prozent dieser Berufsleute absolvieren lehrbegleitend oder nach der Lehre eine Berufsmaturität. Mit steigender Tendenz. Die Berufsmatura gewährleistet einen prüfungsfreien Zugang zu den Fachhochschulen. Es muss betont werden, dass die Fachhochschulen neben dem Abschluss einer Berufsmatura häufig noch zusätzliche Anforderungen an das Berufsfeld der gemachten Berufserfahrung stellen. Neben den Fachhochschulen gibt es in jedem Beruf Weiterbildungsmöglichkeiten. Dies sind die Berufsprüfungen (Abschluss: eidgenössischer Fachausweis), die höheren Diplome (Abschluss: eidgenössisches Diplom/Meisterprüfung) oder Höhere Fachschulen mit generalistisch ausgerichtetem Bildungsziel. Etwa 50 Prozent der Berufsleute absolvieren eine dieser eidgenössisch reglementierten Weiterbildungen – ebenfalls mit steigender Tendenz. Hinzu kommen noch die berufsspezifischen Kurse oder firmeninterne Fortbildungen. Die Palette von Weiterbildungen nach einer Berufslehre (berufliche Grundbildung) ist gross und das Erlangen eines solchen Abschlusses immer mit ausserordentlich grossem persönlichen aber auch finanziellen Aufwand verbunden.

Etwa 21 Prozent der Bevölkerung schliesst die Sekundarstufe II mit einer gymnasialen Matura ab. Dieser Abschluss ermöglicht den Eintritt in eine universitäre Hochschule. Zusätzliche Auflagen für eine Zulassung zu einem Studium kennen wir in der Schweiz nur für das Medizinstudium (Numerus Clausus). Dies im Gegensatz zu den meisten andern Ländern, wo eine abgeschlossene Mittelschule nicht per se eine Zulassung zu jedem Studium ermöglicht. Es werden gewisse Notendurchschnitte vorausgesetzt oder zusätzliche Aufnahmeprüfungen durchgeführt.

Weshalb ist das Schweizerische Berufsbildungssystem ein Erfolgsmodell?
Die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz ist markant tiefer als im EU Raum. Das SECO gibt die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz mit 2,7% an, im EU Raum wird sie im Jahr 2011 durchschnittlich mit 20 Prozent angegeben. Als Begründung dieser hohen Quote wird vor allem das Fehlen, bzw. das kleine Angebot von Berufslehren angegeben. Weil unsere Wirtschaft die Verantwortung für die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses übernimmt, wird sich die grundsätzlich positive Ausgangslage für die Jugendlichen nicht abrupt ändern. Mit unserem Berufsbildungssystem reguliert sich der Markt recht gut. In den Bereichen mit Arbeitskräftemangel werden tendenziell mehr Lehrstellen geschaffen. Mit Weiterbildungen kann sich der Einzelne, entsprechend seinen Wünschen und Fähigkeiten, beruflich weiterentwickeln. Selbstverständlich gibt es für alle an der Berufsbildung beteiligten Partner ständig ein Verbesserungspotential, sei es durch Anpassung von Bildungsverordnungen, Schaffung von neuen Berufen oder Anpassungen an den Bedarf der Wirtschaft in der Schweiz. Dies alles sind gute Gründe, unserem Bildungssystem Sorge zu tragen und es ständig der Entwicklung des Arbeitsmarktes, beziehungsweise unserer Gesellschaft, anzupassen.